Nachrichtenwesen

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Waren zu Beginn des Weltkriegs zunächst Ordonnanzoffiziere und Meldereiter die sichersten Nachrichtenübermittler, so entstand mit dem Übergang zum Stellungskrieg Ende 1914/Anfang 1915 ein dichtes Netz von Drahtverbindungen von den vorderen Linien in die rückwärtigen Gebiete. Da diese Verbindungen durch die gegnerische Artillerie häufig zerstört wurden, stieg der Bedarf an Funkgeräten, optischen Nachrichtenmitteln, Brieftauben und Meldehunden, vor allem bei den Truppennachrichteneinheiten.

    Nach wiederholten Änderungen der Struktur und der Unterstellungsverhältnisse entstand am 1.10.1917 die selbständige Nachrichtentruppe. An ihre Spitze trat ein "Chef des Nachrichtenwesens" mit seinem Stab, dem die Telegrafendirektion und die Funkabteilung der OHL sowie Nachrichtengenerale für die Kriegsschauplätze unterstanden. Auch bei den Armeen, Korps und Divisionen wurden Nachrichtenkommandeure und -stäbe eingesetzt. Die Ausbildung von Kadern erfolgte an der 1917 gegründeten Nachrichtenmittelschule Namur sowie an Armeenachrichtenschulen.

    Nach dieser Reorganisation verfügte das Heer über 52 Heeresgruppen- und Armeefernsprechabteilungen, 304 Gruppen- und Divisionsnachrichtenabteilungen, 15 Festungsfernsprechabteilungen, 377 besondere Fernsprechzüge, 247 Funkerabteilungen, 46 besondere Funkerstationen, 66 Blinkerzüge, mehr als 1000 Brieftaubenschläge, 272 Abhörstationen, acht Meldehundestaffeln, 22 Nachrichtenparks sowie über eine große Zahl von Ersatzformationen. Die Fliegerkräfte besaßen 250 Funkentelegrafenstationen auf den Flugplätzen. Bei Kriegsende zählte die Nachrichtentruppe über 190 000 Mann; dazu kamen rund 150 000 Mann in Truppennachrichteneinheiten sowie die Angehörigen des 1918 aufgestellten "Weiblichen Nachrichtenkorps".


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    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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