Panzerschlacht von Cambrai

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (20.11.-6.12.1917)

    Britische Panzer mit Geräten zur Überwindung von Gräben bei ihrem Masseneinsatz in der Schlacht von Cambrai

    Cambrai ist eine nordfranzösische Stadt an der Schelde. In der Panzerschlacht von Cambrai kam es durch die Engländer erstmals zum Einsatz massierter Panzerkräfte.

    Seit Mitte Oktober 1917 zeichnete sich das Scheitern der britischen Offensive in Flandern 1917 (Dritte Flandernschlacht) ab. Um diesen Eindruck zu beseitigen und den Kampfwert der jungen Panzerwaffe zu beweisen, beschloss das britische Oberkommando in Frankreich am 19.10., bei Cambrai eine Angriffsoperation durchzuführen. Ihre Vorbereitung wurde angesichts der italienischen Niederlage am Isonzo seit Ende Oktober (Schlacht bei Caporetto) forciert. Das Oberkommando der britischen 3. Armee plante, die pioniertechnisch stark ausgebaute deutsche Stellung durch massierten Panzereinsatz zu durchbrechen, mit Kavallerie in die Tiefe vorzustoßen und den Eisenbahnknotenpunkt Cambrai einzunehmen.

    Englische Truppen begeben sich in die Kampfstellungen bei Cambrai

    Zwischen Banteux und Havrincourt (auf etwa zwölf km) wurden dafür bereitgestellt: das britische Tankkorps mit 378 Kampf- und 98 Hilfspanzern sowie sechs Infanterie- und zwei Kavalleriedivisionen mit 1009 Geschützen und 1536 MG. Außerdem standen rund 400 Flugzeuge zur Verfügung. Diesen Kräften lagen im Bereich der deutschen 2. Armee vier schwache Infanteriedivisionen mit 224 Geschützen, 272 Minenwerfern und rund 900 MG gegenüber.

    Da der Angriff am 20.11. früh ohne die übliche Artillerievorbereitung begann, wurden die deutschen Truppen völlig überrascht. Die hinter einer Feuerwalze angreifenden Panzer, gefolgt von Infanterie und unterstützt von Fliegerkräften, durchbrachen bis Mittag die deutschen Stellungen auf etwa zwölf km Breite in ihrer ganzen Tiefe (bis sieben km). Dabei gingen 60 Panzer verloren. Der nur zögernd folgende Kavallerievorstoß scheiterte jedoch. Die britische Führung hatte den Erfolg nicht entschlossen ausgenutzt. Deshalb konnte die deutsche Seite die Krise durch den Einsatz von Reserven überwinden. Auch in den folgenden Tagen gelang es den britischen Truppen nicht, den taktischen Durchbruch zu erweitern und Cambrai zu erobern. Die Panzer hatten schwere Verluste erlitten (insgesamt 120 Stück) und wurden seit dem 27.11. zurückgeführt. Am 29.11. endete die britische Angriffsoperation.

    Englischer Tank in der "Tankschlacht" bei Cambrai

    Infolge relativer Kampfruhe an der übrigen Westfront und im Osten sowie der für sie günstigen Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz konnte die OHL zur Abwehr des britischen Angriffs 13 Divisionen heranführen und weitere Kräfte und Kampfmittel für einen Gegenangriff bereitstellen. Er begann am 30.11. mit 18 Divisionen und 1240 Geschützen, unterstützt von starken Fliegerkräften, und überraschte den Gegner. Der Hauptstoß erfolgte gegen die südliche Flanke des britischen Frontvorsprungs. Die deutschen Truppen gewannen zwar einen großen Teil des verlorenen Geländes zurück, liefen sich aber am 6.12. endgültig fest.

    In der Schlacht bei Cambrai betrugen die deutschen Gesamtverluste 41 000 und die britischen 45 000 Mann. Die britische Angriffsoperation bei Cambrai unterstrich die Zukunftsträchtigkeit der Panzerwaffe. Im Zusammenwirken mit den anderen Waffengattungen hatten die Panzer in wenigen Stunden Ergebnisse erzielt, für die bisher an der Westfront über Wochen und Monate hinweg viel mehr Kräfte und Kampfmittel eingesetzt werden mussten. Für das britische Heer gab Cambrai den Anstoß zum weiteren Ausbau der Panzertruppe. Dagegen fühlte sich die deutsche Führung durch den Ausgang der Schlacht in ihrer Geringschätzung der Panzer bestärkt und zog falsche Schlussfolgerungen. Selbst der Ausbau einer wirksamen Panzerabwehr unterblieb.


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