Saloniki-Front

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (3.10.1915-30.9.1918)

    Im September 1915 machte die Mobilisierung bulgarischer Truppen die Alliierten auf die Planung eines weiteren Angriffs auf Serbien aufmerksam. Daraufhin wurden eine britische und eine französische Division unter dem Kommando General Sarrails zum griechischen Hafen Saloniki (heute Thessaloniki) entsandt, da Serbien keinen direkten Mittelmeerzugang besaß. Die Einheiten erreichten das neutrale Griechenland am 5.10., kurze Zeit nach dem Rücktritt des proalliierten Ministers Venizelos. Dessen Erlaubnis zur Truppenbewegung durch das Land war dadurch hinfällig geworden, es kam jedoch auch kein Widerstand zum Zeitpunkt der alliierten Landung auf, die den Ausgangspunkt der lang andauernden und verlustreichen alliierten Verstrickung in Griechenland darstellte. Ihr Nutzen wurde zwischen den Verfechtern der Konzentration auf die Ost- bzw. auf die Westfront heiß diskutiert; letztere argumentierten, dass der Einsatz in Griechenland eine unverantwortliche Verschwendung von Reserven darstellte, die auf dem eigentlichen Kriegsschauplatz - an der Westfront - benötigt wurden.

    Am 12.10. unternahm Sarrail einen Vorstoß durch das Tal des Vardar nach Norden und marschierte mit der Unterstützung zweier weiterer französischer Divisionen in Serbien ein. In Krivolak, rund 60 km hinter der Grenze, wurde der Vorstoß durch eine deutlich größere bulgarische Streitmacht aufgehalten, was die Möglichkeit einer Verbindung mit der sich zurückziehenden serbischen Armee zerstörte. Die britische Division unter dem Befehl Mahons gelangte nur bis zur Grenze, da die britische Regierung Bedenken gegen die Operation hatte und die britische Mitwirkung so gering wie möglich halten wollte. Die Franzosen zogen sich während der bulgarischen Offensive mit beachtlicher Geschicklichkeit zurück, überquerten aber aus politischen Gründen die Grenze nach Griechenland nicht noch einmal.

    Der Transport eines schweren englischen Geschützes vom Schiff auf den Verladekai im Hafen von Saloniki

    Die alliierten Streitkräfte verblieben in Saloniki - zum Teil wegen der Gefahren einer erneuten Verschiffung - obwohl die Situation an der Küste alles andere als ideal war. Die Truppen lebten in einem "Käfig" aus massiven Stacheldrahtaufbauten und litten unter dem ungesunden Klima, das zum häufigen Ausbruch von Malaria und anderen Krankheiten führte. General Joffre hatte bereits wiederholt Ablenkungsmanöver gefordert, um den Druck auf die Front bei Verdun zu reduzieren und veranlasste schließlich Großbritannien, seine Haltung zur Durchführung einer weiteren Offensive an der Saloniki-Front zu ändern. Sarrails Streitmacht war auf fünf britische und sechs französische Divisionen vergrößert worden und wurde durch das Eintreffen serbischer Truppen aus Korfu weiter verstärkt. Die erste Phase der Operation, die im April 1916 begann, war die Truppenbewegung aus dem stacheldrahtgesicherten Camp zur Grenze. Dies wurde erfolgreich durchgeführt, da die griechische Armee keinerlei Widerstand leistete. Die bulgarischen Truppen reagierten - mit Billigung der griechischen Regierung - mit der Besetzung von Fort Rupel im Struma-Tal, zehn km von der Grenze entfernt im Landesinneren.

    Nun wurden Pläne für eine alliierte Offensive am 20.10. geschmiedet. Der Hauptangriff sollte genau nördlich erfolgen, im Westen des Vardar. Nach einem Durchbruch würden sich die Truppen nach Osten wenden, das Vardar-Tal räumen und Rumänien unterstützen, sollte dieses in den Krieg eintreten.

    Die Bulgaren aber hatten vollständige Kenntnis von den alliierten Plänen erlangt und griffen schon am 17.8. an beiden Enden der Feindeslinie an. Der bulgarische Ostflügel stieß südlich von Rupel vor; die Franzosen wurden zum Rückzug gezwungen, aber von den Briten, die inzwischen unter dem Befehl General Milnes standen, an der Struma aufgehalten. Im Westen wurden die Serben zurückgeworfen; ihre Front stabilisierte sich erst am 27.8. wieder. Die lange verschobene alliierte Offensive, die nun zu einem Gegenangriff geworden war, fand schließlich am 12.9. statt. Die zwei serbischen Armeen sowie dreieinhalb französische Divisionen konnten nur langsam an Boden gewinnen: nach gut einem Monat waren sie etwa 45 km durch die Gebirgsregion vorgerückt. Monastir wurde am 19.11. erobert. Aufgrund der verzweifelten Situation in Rumänien wurde Sarrail jedoch angewiesen, den Vormarsch zu stoppen und seine Frontlinie zu stabilisieren. Die Briten hatten ihre Kampflinie zur Unterstützung der Franzosen nach Westen ausgedehnt, schienen jedoch gefährdet, nachdem die Griechen Kavalla an die bulgarische Armee ausgehändigt hatten. Dieser Zwischenfall verstärkte den inneren wie äußeren Druck auf die griechische Monarchie, ihre freundliche Haltung gegenüber den Mittelmächten aufzugeben. Zu Beginn des Jahres 1917 waren 600 000 Soldaten in Saloniki stationiert, von denen aber lediglich 100 000 einsatzfähig waren.

    Die alliierten Regierungen stimmten schließlich einer weiteren Offensive in Mazedonien zu. Der Hauptangriff sollte am 9.5.1917 mit einem Durchbruch der Serben und Franzosen und anschließender Wende nach Westen über die den Vardar beginnen; die Briten starteten ein massives Ablenkungsmanöver westlich des Doiran-Sees. Die Offensive scheiterte schon nach kurzer Zeit und wurde am 23.5. nach dem Verlust von 23 000 Mann abgebrochen. An der Front blieb es nun bis Ende 1918 ruhig, obwohl entscheidende politische Ereignisse noch im Jahr 1917 einen neuen Ausbruch der Kampfhandlungen erwarten ließen. König Konstantin dankte ab und Griechenland trat auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein. Sarrail wurde Ende des Jahres durch Guillaumat ersetzt. Dieser erhielt jedoch schon im Juli 1918 ein Kommando an der Westfront und erst sein Nachfolger, Franchet d'Espérey, führte die letzte Kampagne an der Saloniki-Front an.

    Die Feindeslinie war durch den Abzug deutscher Truppen geschwächt worden und der Widerstand brach während des alliierten Angriffs vom 15.9.1918 rasch zusammen. Ungefähr 200 000 serbische, französische, britische und griechische Soldaten standen einer weit überlegenen bulgarischen Streitmacht gegenüber. Die 1. und 2. serbische Armee war im Zentrum der Front positioniert worden, die französischen Einheiten zur Linken und zur Rechten. Innerhalb von zwei Tagen konnten die Serben die demoralisierten Feinde rund 30 km zurückdrängen und einen allgemeinen Rückzug an der gesamten Front erzwingen. Am 25.9. erreichten sie den Vardar und spalteten die bulgarische Front. Die britische Attacke im Osten erreichte Strumitza am 26.9., die Franzosen nahmen Skoplje am 29.9. ein. Der erfolgreiche alliierte Vorstoß und die Aussicht auf eine totale Niederlage nötigte die Bulgaren, am 29.9. ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen. Die Alliierten besetzten das Land als Ausgangsbasis für spätere Operationen gegen Ungarn und die Türkei. Bis Kriegsende war Franchet d'Espérey die Befreiung des gesamten Balkans gelungen und er konnte den Einmarsch in Budapest und die nachfolgende Überquerung der Donau am 10.11. planen.

    Die britischen Verluste blieben während dieser letzten Operation relativ gering, aber insgesamt hatte die alliierte Präsenz in Saloniki hohe Kosten verursacht: Den 18 000 im Kampf Gefallenen standen 481 000 Malariaopfer gegenüber.


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