Sanitätswesen

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Der Führer der deutschen Südarmee Generaloberst Graf v. Bothmer nimmt den Rapport einer mit Hunden bespannten österreichischen Sanitätskolonne entgegen. Februar 1916

    Nach Beginn des Ersten Weltkriegs erwies sich das deutsche Sanitätswesen als ungenügend auf die Kriegsanforderungen vorbereitet. 1914 vermochten die pferdebespannten Sanitätskolonnen es nicht, der Truppe rechtzeitig zu folgen. Den Armeeärzten der einzelnen Armeen standen in der Regel keine beweglichen Sanitätsformationen zur Verfügung, um an Schwerpunkten Reserven einsetzen zu können. Der Stellungskrieg ab Ende 1914 stellte das Sanitätswesen vor Aufgaben, auf die es nicht vorbereitet war. Der Abtransport der Verwundeten und Kranken erfolgte über ein abgestuftes Behandlungssystem, d. h., sie durchliefen in der Regel nacheinander alle Haupttypen der Lazarette (Feld-, Kriegs-, Etappen- und Heimatlazarette). Dieses Prinzip wirkte in der Praxis der erklärten Maxime entgegen, die Mehrzahl der Verwundeten und Kranken so schnell wie möglich der Truppe dienstfähig wieder zuzuführen und aus den Genesenen den Hauptteil des Ersatzes zu bilden. Ab 1916 wurden deshalb Lazarette für leichtverwundete und -kranke in Frontnähe eingerichtet.

    Unter den sanitären Verlusten (Menschenverluste durch Verwundung, Gefechtsschädigung oder Erkrankung, die zu mehr als eintägigem Dienstausfall führten) nahmen wiederum die Kranken die erste Stelle ein. Die für den Stellungskrieg typischen Erkältungs-, Nieren-, Magen- und Darmerkrankungen verursachten große Ausfälle. Psychische Depressionen mehrten sich unter dem Eindruck des langen Einsatzes in den Stellungen und des schweren Artilleriebeschusses.

    Durch die medizinischen Fortschritte und günstigen Arbeitsmöglichkeiten der Lazarette (1915-17 meist an denselben Orten in Frontnähe stationiert) blieb die Sterblichkeit der Kranken relativ gering. Auf der Grundlage der Antisepsis und Asepsis sowie der Narkose konnten bei der Wundbehandlung bessere Ergebnisse als in früheren Kriegen erzielt werden, obwohl der Einsatz neuer Waffen mit hoher Vernichtungskraft die Struktur der Verwundungen veränderte. Auf den Einsatz chemischer Kampfstoffe ab 1915 zeigte sich das Sanitätswesen nicht vorbereitet. Insgesamt überwog bei den Verwundungen die Zahl der durch Splitter hervorgerufenen Verletzungen (70 % der offenen Schädigungen).


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