Schlacht an der Piave

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (15.-22.6.1918)

    Piave, überhasteter Rückzug der Italiener

    Nach dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg übte Deutschland Druck auf die österreichische Heeresleitung aus, eine neue Großoffensive an der italienischen Front zu beginnen. Verstärkt auf 58 Divisionen (gegenüber den 57 feindlichen), entschieden die Österreicher, ohne deutsche Hilfe eine letzte Anstrengung zu unternehmen, um eine italienische Niederlage herbeizuführen. Geplant war eine große Zangenbewegung, aber persönliche Rivalitäten führten dazu, dass beiden Kommandeuren Streitkräfte von gleicher Stärke gegeben wurden, damit keiner von beiden im Alleingang den alles entscheidenden Schlag ausführen konnte.

    Dem früheren Stabschef Conrad, der inzwischen im Trentino eingesetzt wurde, war die Hauptaufgabe, die Einnahme Veronas, zugewiesen worden, während zur Linken Boroevic von Bojna den Fluss Piave überschreiten und nach Padua und zur Etsch hin ausgreifen sollte. Nach einigen Ablenkungsangriffen wurde die Hauptoffensive am 15.6. gestartet. Im Gebirge zur Rechten wurde der begrenzte Vorstoß der 10. und 11. Armeen unter Conrad bereits am zweiten Tag eingedämmt. Die italienischen 4. und 6. Armeen, in die englisch-französische Einheiten eingebunden waren, setzten einen so massiven Gegenangriff in Gang, dass die Österreicher ihre geringen Gebietsgewinne nicht einmal halten konnten; sie verloren 40 000 Mann.

    Größere Fortschritte wurden an der unteren Piave erzielt, wo Boroevic seinen Angriff zwischen dem Montello und dem Meer führte. Seine 5. und 6. Armeen überquerten den Fluss und rückten auf einer 23-km-Linie rund fünf km vor, bevor sie auf die italienische 3. und 8. Armee trafen. Ein verzweifelter, acht Tage dauernder Kampf folgte, während dessen die Österreicher zunächst weiter vorstoßen konnten, bevor ein starker Gegenangriff sie am 18.6. zum Rückzug zwang. Die geringe Verstärkung und Schwierigkeiten beim Nachschubtransport (bis auf vier - von den österreichischen Truppen über die Piave gespannten - waren alle Brücken durch Luftangriffe oder heftige Regenfälle zerstört worden) hatten Boroevics Position ernstlich geschwächt. Am 21.6. wurde seine Flanke zur Kehrtwende gezwungen. Am folgenden Tag wurden die Österreicher unter hohen Verlusten über die Piave zurückgedrängt - insgesamt verloren die Armeen 150 000 Mann, darunter 24 000 in die Kriegsgefangenschaft. General Diaz, der übervorsichtige italienische Kommandeur, setzte die Jagd auf den Feind nicht bis über die Piave fort und die erfolglose österreichische Offensive war damit beendet. Conrad wurde durch Erzherzog Joseph ersetzt. Die österreichische Armee war dauerhaft gelähmt. Die Truppenmoral sank rasch und Fahnenflucht nahm überhand, als die Soldaten aus den dem k. u. k.-Imperium einverleibten Nationen erkannten, dass sie durch ihren Kampf für Österreich letztendlich nichts zu gewinnen hatten.


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