Schlacht bei Tannenberg

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (26.-31.8.1914)

    Im Rahmen des Zweifrontenkriegs hatte die deutsche 8. Armee in Ostpreußen zu Beginn des Kriegs die Aufgabe, die Offensive der zahlenmäßig überlegenen russischen Nordwestfront abzuwehren und möglichst viele Kräfte des Gegners zu binden. Ziel der russischen Offensive war es, die 8. Armee zu vernichten, Ostpreußen zu besetzen und dann weiter nach Westen vorzustoßen.

    Auf französisches Drängen hin begann die Nordwestfront den Vormarsch früher als geplant und nicht in voller Stärke: ab 17.8.1914 mit der 1. (Neman-)Armee nördlich und ab 20.8. mit der 2. (Narew-)Armee südwestlich der Masurischen Seen. In der Schlacht bei Gumbinnen (19./20.8.) fügte die Neman-Armee den deutschen Truppen eine Niederlage zu. Überstürzt befahl daraufhin der Oberbefehlshaber der 8. Armee, Generaloberst Maximilian von Prittwitz und Gaffron (1848-1929), den Rückzug hinter die Weichsel. Die Zivilbevölkerung sollte fliehen. Da aber die Neman-Armee stehen blieb und die Narew-Armee nur langsam vorrücken konnte, wurde der Rückzug aufgegeben und ein Angriff auf die Narew-Armee geplant.

    Hindenburg und Ludendorff während der Schlacht bei Tannenberg bei Frögenau

    Am 22.8. hatte jedoch die OHL angesichts der kritischen Situation beschlossen, den zögernden Prittwitz abzulösen. An seine Stelle trat der reaktivierte Generaloberst Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934). Stabschef wurde Generalmajor Erich Ludendorff (1865-1937), der die Operationen leiten sollte. Außerdem ordnete die OHL am 25.8. an, die 8. Armee durch fünf Divisionen von der Westfront zu verstärken, die aber erst Anfang September eintreffen konnten. Der 8. Armee drohte vor allem die Gefahr, durch die Narew-Armee von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten zu werden. Auch Hindenburg und Ludendorff planten deshalb, die Narew-Armee anzugreifen, ehe die Neman-Armee herankam. Durch Funkaufklärung kannten sie die Absichten des Gegners und waren gewillt, die Trennung der russischen Armeen, die fehlerhafte Lagebeurteilung seitens der russischen Führung und andere Widersprüche mit äußerstem Risiko auszunutzen. Gegen die Neman-Armee blieben nur schwache Sicherungen stehen. Alle verfügbaren Kräfte und Kampfmittel (153 000 Mann, 728 Geschütze und 296 MGs) wurden in kurzer Zeit gegen die Narew-Armee (191 000 Mann, 612 Geschütze und 384 MGs) konzentriert, die auf der Linie Bischofsburg-Usdau vorrückte.

    Die Schlacht entbrannte am 26.8. mit dem Durchbruch der deutschen Truppen auf Usdau am 27.8. und ihrem weiteren Vorstoß auf Neidenburg konnten starke russische Kräfte von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten werden. Der Erfolg des deutschen linken Flügels am 28.8. führte zur Entscheidung der Schlacht. Da die Neman-Armee fast untätig blieb, gelang es, die Masse der Narew-Armee bei Neidenburg einzuschließen und ihr eine schwere Niederlage beizubringen. Sie verlor insgesamt 120 000 Mann und den Großteil ihrer schweren Waffen; ihre restlichen Kräfte wichen hinter die Grenze zurück. Die deutschen Verluste betrugen 12 000 Mann. Anfang September wurde die Neman-Armee in der Ersten Schlacht an den Masurischen Seen besiegt.

    Die Schlacht bei Tannenberg, deutscherseits als modernes Cannae gepriesen, blieb die einzige Schlacht des Ersten Weltkriegs, in der es gelang, die generischen Hauptkräfte durch Umfassung und Einschließung zu vernichten.


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    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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