Schlacht im Atlantik

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (1915-17)

    Korvettenkapitän Lothar von Arnauld de la Pèrière auf dem Deck seines Bootes "U 35", bei Sonnenuntergang im Mittelmeer.

    Die deutschen und britischen Kreuzerflotten wurden während des Ersten Weltkriegs nur zurückhaltend - hauptsächlich für Blockaden - eingesetzt: Sie trafen in nur fünf Schlachten aufeinander, darunter die Schlacht am Skagerrak. Die deutsche Marine konzentrierte sich auf den Einsatz von U-Booten gegen alliierte Handelsschiffe, um Großbritannien wirtschaftlich unter Druck zu setzen.

    Die U-Boot-Blockade Großbritanniens begann am 18.2.1915; ab diesem Zeitpunkt wurden ausnahmslos alle alliierten Schiffe, die die "Kriegszone" - d. h. den großzügig abgemessenen Seebereich um die britischen Inseln - passierten, ohne Vorwarnung torpediert. Zu den ersten Opfern zählten ein US-amerikanischer Tanker sowie zahlreiche US-amerikanische Zivilisten, die sich an Bord zweier britischer Kreuzfahrtschiffe, der Lusitania und der Arabic, befunden hatten. Diese Zwischenfälle schürten die öffentliche Empörung in den Vereinigten Staaten und ließen einen Kriegseintritt der USA in greifbare Nähe rücken.

    Nach der Zerstörung eines zweiten Passagierschiffs am 19.8. waren die Deutschen gezwungen, das Ende des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs zu verkünden. Zukünftig sollten keine Linienschiffe mehr ohne Vorwarnung angegriffen werden und die Sicherheit von Zivilisten sollte garantiert werden, solange sie keinen Widerstand leisteten. Die Zerstörung alliierter Handelsschiffe fiel jedoch nicht unter die geänderten Richtlinien und stieg zahlenmäßig stark an; in den Jahren 1915 und 16 kam es zum Verlust von einer Million Tonnen Ladung. Nach der Versenkung des Kanaldampfers Sussex im Frühjahr 1916 konnte US-Präsident Wilson das Versprechen des Deutschen Reichs erwirken, auch Handelsschiffe nicht mehr ohne Vorwarnung anzugreifen und die Untersee-Operationen für die restliche Kriegsdauer auf die Streitkräfte der Kriegsgegner zu beschränken. Trotz dieser Zusicherung wurden im Verlauf des Jahres in der deutschen Marine Forderungen nach einer Wiedereinführung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs laut, da sich abzeichnete, dass der Krieg allein mit Hilfe des Heers nicht mehr zu gewinnen war.

    Die Torpedierung des US-Passagierdampfers "Lusitania" am 7. Mai 1915 durch ein deutsches U-Boot

    Nach erheblichen internen Diskussionen wurde die Wiederaufnahme zum 1.2.1917 angeordnet. Man nahm an, England innerhalb von sechs Monaten aushungern zu können, also lange vor einer erfolgversprechenden amerikanischen Intervention. Tatsächlich erreichten die Verluste der Alliierten langsam eine kritische Höhe: 259 Schiffe im Februar, 325 im März und 423 im April. Dies überstieg deutlich die Nachschubmöglichkeiten der Alliierten und England drohte abgeriegelt zu werden. Die Gegenmaßnahmen wie der Einsatz verbesserter Seeminen reichten nicht aus, um die Sicherheit der Schiffe zu gewährleisten.

    Die britische Marine war lange Zeit gegen die Einführung des Konvoisystems gewesen, aber es erwies sich nun als die einzige Möglichkeit, die U-Boot-Gefahr im Atlantik einzudämmen. Nach dem Eingreifen von Premierminister Lloyd George wurden die Konvois am 10.5.1917 eingeführt und dadurch die Verluste schrittweise reduziert, nachdem das System auch auf die Schiffe neutraler Staaten ausgedehnt worden war. Im letzten Quartal des Jahres 1917 hatten sich die Verluste der Alliierten gegenüber sechs Monaten zuvor beinahe halbiert. Dank der v. a. durch die Amerikaner neu ausgelegten Minenfelder verringerte sich die Zahl der Zwischenfälle im folgenden Jahr weiter, sodass die Alliierten im Jahr 1918 erstmals wieder mehr Schiffe bauten, als sie bei deutschen Angriffen verloren. Die Atlantikschlacht war gewonnen und die Bedrohung für die Seewege, die britische Lebensader, abgewendet worden.


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