Schlachten am Isonzo

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg


    (1915-1917)

    Mit der Unterzeichnung des Londoner Abkommens am 26.4.1915 erklärte sich Italien bereit, in den Krieg gegen seine früheren Bündnispartner, das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn, einzutreten - im Gegenzug für das Versprechen eines substanziellen Gebietsausgleichs. Italien erklärte der k. u. k.-Monarchie am 23.5.1915 den Krieg und hatte nur wenig Zeit zur Vorbereitung der Truppen, bevor am 23.6. der erste Angriff gegen Österreich gestartete wurde. Die einzige für einen Angriff geeignete Region lag im Osten entlang des Flusses Isonzo, da die Grenze sonst weitgehend in den Alpen verlief. Das unmittelbare Ziel in diesem Sektor war Gorizia; generell erhoffte sich die Armee jedoch den Einmarsch in Triest und noch weiteres Vorrücken.

    Ein österreichisch-ungarisches schweres Geschütz an der Isonzofront

    Auf einer knapp 100 km langen Front waren die italienische 2. und 3. Armee (mit einer Stärke von 35 Divisionen) unter dem Kommando des Stabschefs General Cadorna aufgestellt; die zunächst lediglich 14 österreichisch-ungarischen Divisionen befehligte Boroevic von Bojna. Trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit gelang den Italienern, die in den nächsten 27 Monaten in elf weitere verlustreiche Gefechte verwickelt werden sollten, kein entscheidender Durchbruch.

    Erste Schlacht (23.6.-7.7.1915): Nachdem er in der ersten Offensive keinen Gewinn hatte erzielen können, stoppte Cadorna die Operation, um die Schwere Artillerie zu verstärken. Die Österreicher erweiterten ihre Armee um zwei Divisionen.

    Zweite Schlacht (18.7.-3.8.1915): Auch intensivere Kämpfe änderten den Frontverlauf nicht, verursachten aber hohe Verluste - 45 000 österreichisch-ungarische Soldaten und 60 000 Italiener.

    Dritte Schlacht (18.10.-3.11.1915): Während des Herbsts brachte Cadorna Reservetruppen an die Front und verstärkte seine Schwere Artillerie auf 1200 Geschütze.

    Vierte Schlacht (10.11.-2.12.1915): Das dritte und vierte Gefecht waren letztendlich zwei Teile derselben Schlacht, in der 117 000 Italiener und 72 000 Österreicher fielen. Die tapferen Angriffe der italienischen Infanterie hatten nur marginale Geländegewinne erzwingen können. Die strategischen Auswirkungen der ersten vier Offensiven waren ebenfalls begrenzt: Zwölf österreichische Divisionen waren von der Ostfront und aus dem Balkan an den Isonzo bewegt worden; auf das Kampfgeschehen der beiden Kriegsschauplätze hatte dieser Abzug jedoch keinerlei merklichen Einfluss.

    Fünfte Schlacht (9.3.-17.3.1916): Entsprechend den auf der Konferenz von Chantilly getroffenen Abmachungen stellte diese neue Offensive eine - allerdings eher halbherzige - Geste der Kooperation mit den Alliierten dar; die Aktivitäten erstarben rasch aufgrund der ungünstigen Wetterverhältnisse.

    Bombensichere Höhlen der österreichisch-ungarischen Truppen an der Isonzofront

    Sechste Schlacht (6.8.-17.8.1916): Nachdem er den Angriff Conrads im Trentino im Juni 1916 hatte aufhalten können, bewegte Cadorna die vom Isonzo abgezogenen Truppen rasch in ihre Ausgangsposition zurück. 22 italienische Divisionen standen ihm zur Verfügung, während die Österreicher, die ihre Einheiten nicht so rasch von einer Front zur anderen bewegen konnten, lediglich neun aufboten. Drei Tage nach Beginn des Angriffs hatten die Italiener den Fluss überquert und Gorizia eingenommen, aber die übertriebene Vorsicht Cadornas und die nun eintreffenden österreichischen Verstärkungen beendeten die Operation bald. Die Italiener hatten keinen größeren Durchbruch erzielen können, waren aber immerhin auf einer 22-km-Front knapp fünf Kilometer vorgerückt. Dieser erste signifikante Erfolg erhöhte die Moral an der "Heimatfront", obwohl 50 000 Mann gefallen waren (die österreichischen Verluste betrugen 40 000 Mann).

    Siebte Schlacht (14.9.-17.9.1916), Achte Schlacht (10.10.-12.10.1916), Neunte Schlacht (1.11.-4.11.1916): Da sie alle das Ziel einer Vergrößerung des Brückenkopfes bei Gorizia verfolgten, waren diese drei Gefechte im Herbst 1916 Teile derselben Schlacht. Die italienische Taktik war modifiziert worden; statt einer totalen Offensive wurden nun mehrere plötzliche Stiche auf die feindlichen Linien ausgeführt. Die Angriffe belasteten die österreichischen Reservekapazitäten, blieben aber ergebnislos.

    Zehnte Schlacht (12.5.-8.6.1917): Cadorna hatte einer Teilnahme an der alliierten Offensive, die für den Frühling vorgesehen war, zugestimmt und während des Winters seine Truppen verstärkt. 38 italienische Divisionen standen 14 österreichisch-ungarischen gegenüber und konnten zunächst kleine Gebietsgewinne erreichen. Diese mussten jedoch bei der österreichischen Gegenoffensive vom 6.-8.6. wieder abgegeben und zusätzlich hohe Verluste verkraftet werden (157 000 Italiener, aber nur 75 000 Österreicher).

    Elfte Schlacht (19.8.-12.9.1917): Nach weiteren Verstärkungen begann die nun aus 51 Divisionen bestehende italienische Armee die letzte und größte der Isonzo-Offensiven. Die 2. Armee unter dem Befehl Capellos rückte acht km vor, was den ersten signifikanten Zugewinn seit der 6. Schlacht im August
    Monte Santo, zerstörtes Kloster, 11. Isonzo-Schlacht
    1916 bedeutete; dennoch wurde die Offensive bald beendet, da Cadorna eine Intervention der deutschen Truppen befürchtete und daher seine Einheiten auf Defensiveinsätze vorbereiten wollte.

    Der erwartete österreichisch-deutsche Angriff kam einen Monat später. Diese Zwölfte Schlacht am Isonzo wurde als Schlacht von Caporetto bekannt.


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