Schlieffen-Plan

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Ruhestellung im Argonnenwald zu Beginn des Krieges

    Der deutsche Einsatzplan im Falle eine Kriegs mit Frankreich wurde von General Graf Alfred von Schlieffen kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt des Generalstabchefs im Dezember 1905 vorbereitet. Der Plan basierte auf der Vermutung, dass ein zukünftiger Krieg gleichzeitig an zwei Fronten gegen Frankreich und Russland, beide unterstützt von Großbritannien, geführt werden würde. Die Russen, von denen man eine langsame Mobilmachung erwartete, sollten im Osten mit einer relativ kleinen Streitkraft in Schach gehalten werden. Die Hauptmacht der deutschen Armee sollte gegen Frankreich, den gefährlicheren Gegner, gerichtet werden, der voraussichtlich angreifen würde, sobald der Krieg erklärt wäre.

    Schlieffen sagte voraus, dass die Franzosen zwischen Belfort und Sedan in Stellung gehen würden, mit dem Ziel, die Wiedergewinnung von Elsass-Lothringen zu sichern; sie sollten einen zusätzlichen Anreiz für einen Angriff an dieser Stelle durch einen deutschen Scheinangriff mit anschließendem Rückzug erhalten. Da Schlieffen annahm, dass Frankreichs befestigte Grenze nach Deutschland mit Sicherheit nicht zu überqueren sei, plante er, seinen Hauptschlag gegen Frankreich, der in vernichtender Stärke ausgeführt werden sollte, in einem weiten Bogen durch die Niederlande und Belgien zu führen. Der rechte Flügel sollte dabei westlich von Paris vorrücken. Die französische Hauptstreitkraft zwischen Verdun und Belfort sollte in ihrem Rücken von rechts und links angegriffen und vernichtet werden. Nach diesem Erfolg im Westen sollten die deutschen Truppen sofort mittels der Eisenbahn zur Ostfront transportiert werden, wo laut Plan ein kurzer Feldzug zu einer schnellen russischen Niederlage führen würde.

    Der völlig zerstörte Universitätsplatz von Lüttich. Die Stadt ergab sich am 7.8.1914.

    Obwohl fraglich ist, ob der Schlieffen-Plan selbst in seiner ursprünglichen Form zu einem deutschen Sieg geführt hätte, so schwächten ihn Modifikationen durch Schlieffens Nachfolger, Moltke, zweifellos erheblich. Moltkes Widerwille, niederländisches Gebiet zu verletzen, bedeutete, dass die deutsche Armee gezwungen wurde, durch den schmalen Streifen belgischen Gebiets bei Liège zu marschieren. Wichtiger noch war, dass die Stärke der Truppen, die dem entscheidenden rechten Flügel zugewiesen wurde, um ein Drittel gekürzt wurde (auf etwa 1,5 Millionen Mann). Die so frei gewordenen Soldaten wurden zur Ostfront und nach Elsass-Lothringen umdirigiert, da Moltke nicht gewillt war, einen deutschen Gebietsverlust in Kauf zu nehmen, auch nicht aus taktischen Gründen. Der modifizierte Schlieffen-Plan bestimmte den Verlauf des Kriegs während seiner ersten Wochen, obwohl er noch weiteren Veränderungen unterzogen wurde: Klucks 1. Armee an der äußersten Rechten rückte gegen Ende August ostwärts vor und passierte Paris an seiner linken Seite. Die Schlacht an der Marne stellte schließlich das endgültige Scheitern des Schlieffen-Plans dar, der von schlecht beratenen Umänderungen und fehlerhafter Umsetzung in der Praxis untergraben worden war.


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