Seegefecht vor der Doggerbank

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (24.1.1915)

    Panzerkreuzer "Blücher" während des Seegefechts auf der Doggerbank am 24. Januar 1915 kurz vor seinem Untergang

    Während der Nacht auf den 23.1.1915 verließ die deutsche 1. Aufklärungsflotte unter dem Befehl von Konteradmiral Hipper Wilhelmshaven mit Kurs auf die Doggerbank, eine Untiefe in der Nordsee, rund 100 km östlich der Küste von Northumberland. Hippers Flotte aus vier Schlachtkreuzern - der Seydlitz als Flaggschiff, der Moltke, Derfflinger und Blücher - und begleitenden Leichten Kreuzern und Torpedobooten sollte am folgenden Tag in der Nähe der Doggerbank britische Patrouillen- und Fischerboote angreifen.

    Der Überraschungseffekt war jedoch zunichte gemacht worden, da die britische Flottenaufklärung Kenntnis über die deutschen Pläne erlangt und die Schlachtkreuzerflotte (Admiral Beatty) den Stützpunkt in Rosyth bereits verlassen hatte, um den Feind abzufangen. Beattys Geschwader, das aus der Lion als Flaggschiff, der Tiger, Princess Royal, New Zealand und Indomitable bestand, sollte sich mit der Harwich-Flotte (Admiral Tyrwhitt) bei Tagesbeginn des 24.1. nordöstlich der Doggerbank treffen.

    Wenig später wurden die westwärts fahrenden Deutschen gesichtet; sobald Hipper die zahlenmäßig überlegene britische Flotte sichtete, ließ er wenden und nahm Kurs auf den Heimathafen. Die schnelleren britischen Schiffe konnten die Distanz zum Feind rasch verringern. Die H.M.S. Lion eröffnete aus einer außergewöhnlichen Entfernung (über 18 km) das Feuer.

    Kreuzer "Blücher" bei seinem Untergang während des Seegefechts auf der Doggerbank.

    Während einer Verfolgungsjagd gelang der Lion auf der langsameren Blücher aus einem Abstand von über 15 km ein Treffer; die Tiger griff die Seydlitz an und die Princess Royal konnte einen Treffer auf der Derfflinger landen. Die Seydlitz und die Derfflinger wurden schwer beschädigt, während die Blücher stillgelegt wurde. Die Tiger wurde dann jedoch durch eine Granate getroffen und Beattys Flaggschiff musste aus der Schlacht ausscheiden. Admiral Moore auf der New Zealand übernahm für kurze Zeit den Befehl, missinterpretierte jedoch Beattys Anweisungen: Statt die feindliche Flotte zu jagen, gab er die Verfolgung auf und konzentrierte sich auf die sinkende Blücher, die als Ziel bereits der Indomitable zugewiesen worden war.

    Als der aufgebrachte Admiral Beatty die Jagd endlich wieder aufnehmen konnte, war es zu spät; alle überlebenden deutschen Schiffe waren bereits entkommen. Die Versenkung der Blücher verursachte den Tod der meisten der 954 in der Schlacht gefallenen Deutschen; von den britischen Marinesoldaten waren lediglich 15 getötet und 80 verwundet worden. Obwohl die Schlacht theoretisch als britischer Sieg zählte, hatte man die Gelegenheit zur Zerstörung von drei deutschen Kriegsschiffen verpasst. Der unglückselige Admiral Moore wurde wenig später abgesetzt.

    Eines der wichtigsten Ergebnisse der Schlacht vor der Doggerbank war die deutsche Entdeckung, wie verletzlich die britischen Schiffe im Bereich des Munitionsdepots gegenüber dem Explosionsfeuer von Granaten waren. Zwar verloren die Briten keine Zeit, entsprechende Schutzvorrichtungen nachträglich anzubringen; dennoch büßten sie in der Schlacht am Skagerrak fünf Schiffe wegen ungeschützter Magazine ein.


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