Seeschlacht am Skagerrak

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (31.5.-1.6.1916)

    Seit Anfang 1916 plante die deutsche Flottenführung eine aktivere Kriegsführung in der Nordsee mit dem Ziel, Teile der Grand Fleet zur Schlacht herauszulocken und zu vernichten. Der deutsche Flottenvorstoß gegen die englische Ostküste Ende April und das Drängen der russischen Regierung, die deutsche Ostseeblockade zu brechen, veranlassten die britische Admiralität, ihrerseits die bisherige Defensive aufzugeben. Aus dem offensiveren Handeln beider Seiten heraus kam es zur Seeschlacht am Skagerrak.

    Am 31.5. stieß die Hochseeflotte unter Vizeadmiral Reinhard Scheer (1863-1928) zur norwegischen Küste vor. Ihr lief, durch Funkaufklärung am 30.5. vom In-See-Gehen stärkerer deutscher Seestreitkräfte unterrichtet, die Grand Fleet unter Admiral John Jellicoe (1859-1935) entgegen. Die deutsche Hochseeflotte war zahlenmäßig erheblich schwächer. Ihre Schiffe zeichneten sich aber gegenüber vergleichbaren britischen Typen durch größere Standhaftigkeit, höhere Treffsicherheit der schweren Artillerie bei Salvenfeuer und bessere Manövrierfähigkeit im Verband aus. Dagegen entwickelten die Schiffe der Grand Fleet zumeist eine höhere Geschwindigkeit; ihre schwere Artillerie hatte eine größere Reichweite und größere Kaliber.

    Am Nachmittag des 31.5. trafen die Aufklärungskräfte beider Flotten, deren Kern Schlachtkreuzer bildeten, vor dem Skagerrak 65 sm westlich von Lodbjerg an der Nordwestküste von Jütland aufeinander. Auf britischer Seite kamen während des Kampfs noch vier den Schlachtkreuzern beigegebene moderne Großkampfschiffe zum Einsatz. Auf 15-16 km Entfernung begann ein etwa zweistündiges laufendes Gefecht auf südöstlichem, dem deutschen Gros entgegenführendem Parallelkurs, in dem zwei britische Schlachtkreuzer sanken. Als die deutschen Linienschiffsgeschwader in Sicht kamen, drehte der Gegner auf nordwestlichen Kurs und zog damit die ihn verfolgende Hochseeflotte auf die Grand Fleet.

    Panzerkreuzer "Derfflinger" während der Schlacht am Skagerrak, Breitseite feuernd.

    Gegen Abend entbrannte die Schlacht der Hauptkräfte. Jellicoe gelang es, die Grand Fleet in weitem Bogen vor die in Kiellinie herankommende Hochseeflotte zu legen, ein im Englischen als "Crossing the T" ("den Strich über das T ziehen") bezeichnetes Manöver. Aus dieser taktisch günstigen Position konzentrierten die britischen Geschwader ein wirkungsvolles Breitseitenfeuer auf die Spitzenschiffe der deutschen Linie, die nur ihre vorderen Geschütztürme zum Tragen bringen konnten. Durch eine Gefechtskehrtwendung (19:35 Uhr) führte Scheer die Flotte aus dieser unhaltbaren Position heraus. Er stieß jedoch wenig später (20 Uhr, zweite Gefechtskehrtwendung) in Verkennung der taktischen Lage erneut in das Zentrum des Gegners hinein und brachte damit die Flotte in eine noch gefährlichere Situation. Nur mit Mühe, unterstützt vom rücksichtslosen Einsatz der bereits schwer getroffenen Schlachtkreuzer und von einem massierten Angriff der Torpedoboote, konnte Scheer mit einer dritten Gefechtskehrtwendung (20:20 Uhr) die Linienschiffsgeschwader dem vernichtenden britischen Feuer nochmals entziehen. Dem deutschen Torpedoangriff wich der Gegner aus.

    In dieser für die deutsche Flotte aussichtslosen Lage brach Scheer die Schlacht ab und befahl den Rückmarsch auf Horns Riff (westlich der dänischen Küste). Auch Jellicoe wollte einen Kampf bei Nacht vermeiden und beabsichtigte, ihn am nächsten Morgen vor der Deutschen Bucht zu erneuern. In der Nacht kreuzte die deutsche Hochseeflotte den Kurs der vorwiegend aus Zerstörern bestehenden britischen Nachhut. Dabei entwickelten sich beiderseitig verlustreiche Gefechte. Am Morgen des 1.6. beschloss auch Jellicoe den Rückmarsch.

    Beide Seiten verbuchten die unentschiedene Schlacht als Sieg für sich. Die deutsche Führung begründete ihn vor allem mit den höheren britischen Verlusten. Für sie war jedoch das Kräfteverhältnis nach der Schlacht ungünstiger als zuvor, da sieben ihrer Linienschiffe und Schlachtkreuzer schwer beschädigt waren und die Grand Fleet in der Folgezeit in weit stärkerem Maße durch Neubauten vergrößert wurde als die Hochseeflotte. Die Seeschlacht am Skagerrak war die bis dahin größte Seeschlacht in der Geschichte und blieb die einzige zwischen ganzen Flotten von Großkampfschiffen. Sie konnte die strategische Lage zur See nicht verändern. Die deutsche Hochseeflotte war außerstande, die britische weite Blockade zu durchbrechen oder Großbritannien durch eine Seeschlacht zum Frieden zu zwingen.


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