Siegfried-Linie

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    auch: Siegfried-Stellung, Hindenburg-Linie, Hindenburg-Stellung;

    Nach dem Durchbruch westlich von St. Quentin überquert die deutsche Kavallerie die erstürmten englischen Stellungen.

    Unter dem Druck der schwierigen Lage des deutschen Westheers im Sommer und Herbst 1916 beschloss die dritte Oberste Heeresleitung (OHL), zur Abwehr künftiger französischer und britischer Offensiven ein tiefgegliedertes und pioniertechnisch stark ausgebautes Stellungssystem anlegen zu lassen. Beim Bau der so genannten Siegfried-Linie von Ende 1916 bis Juni 1917, der gewaltige Mengen an Material verschlang, die die besetzten Gebiete zu einem großen Teil liefern mussten, waren zeitweise über 100 000 Mann eingesetzt, Pionier-, Armierungs-, Park- und Landsturmformationen. Die Siegfried-Linie verlief von Arras über St-Quentin bis Vailly an der Aisne. Ihre Gesamtlänge betrug etwa 150 km, ihre Tiefe etwa 25 km.

    Der in einen Friedhof zwischen St. Quentin und der Siegfriedstellung eingebaute, gepanzerte englische Beobachtungsstand hat durch seine Leinwandattrappe das Aussehen eines friedlichen Denkmals für Gefallene von 1870/1871

    Gedrängt vom Oberkommando der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht, erließ die OHL am 4.2.1917 die Weisung zum Rückzug der Heeresgruppe (6., 1., 2. und 7. Armee) in die Siegfried-Linie (Deckname "Alberich") vom 16. bis 19.3.1917. Zu dieser Zeit war die Siegfried-Linie noch nicht voll ausgebaut. Sie bestand aus zwei miteinander verbundenen Grabenlinien, zahlreichen Betonunterständen sowie Artillerieschutzstellungen. Sie verfügte über ein Nachrichtennetz und über Bahnanschluss für den Nachschub. Auf Befehl der OHL wurde das Vorfeld der Siegfried-Linie, ein Geländestreifen von zehn bis 15 km Tiefe, dem Erdboden gleichgemacht und teilweise vermint. Aus dem geräumten Gebiet wurden die gesamte wehr- und arbeitsfähige Bevölkerung (etwa 126 00 Menschen) zwangsevakuiert, sämtliche Vorräte sowie Eisenbahnmaterialien abtransportiert. Der Rückzug in die Siegfried-Linie war ein wesentlicher Teil des Plans der OHL zur strategischen Defensive im Westen 1917. Er verkürzte die Front um 50 km, machte 13 Divisionen und 100 Batterien der Feld- und schweren Artillerie als Reserven frei und störte die Offensivvorbereitungen der überraschten Gegner sehr empfindlich. Der Rückzug in die Siegfried-Linie erwies sich als eine entscheidende Voraussetzung zur Abwehr der großen französisch-britischen Frühjahrsoffensive 1917. Durch die Siegfried-Linie wurde der Stellungskrieg an der Westfront weiter ausgeprägt.


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