Somme-Offensive

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (21.3.-5.4.1918)

    General Fayolle, der Führer der französischen Armeen an der Somme bei einem Inspektionsgang

    Nach dem Ende der Kampfhandlungen an der Ostfront plante Ludendorff im Frühjahr 1918 in Frankreich eine bedeutende neue Offensive. Er hoffte, durch die Verlegung so vieler Truppen aus dem Osten wie möglich einen entscheidenden Sieg an der Westfront erringen zu können, bevor die Amerikaner in der Lage waren, ausreichende Schlagkraft für einen entscheidenden Eingriff aufzubauen. Für den ersten Angriff wählte er die von den Briten gehaltene Linie von Arras nach St. Quentin und La Fère, da diese nur schwach verteidigt war. Die Deutschen verfolgten dabei das Ziel, sowohl die Briten in Richtung Kanalküste zu drängen als auch diese von ihren im Süden stehenden französischen Alliierten zu trennen. Die Offensive an der Somme war die erste von fünf deutschen Offensiven im Jahr 1918. Sie sollte für die Alliierten zu einer der schwersten Krisen des Kriegs überhaupt werden; eine Zeit lang schien sogar ein deutscher Sieg möglich.

    Die Frontlinie südlich von Arras, die sich 80 km bis La Fère hinzog, wurde auf der Linken von der 3. (Byng) und auf der Rechten von der 5. Armee (Gough) gehalten. Beide umfassten insgesamt 26 Divisionen. Die britischen Truppen waren ungleichmäßig verteilt: Die Armee unter Goughs Kommando, die einen großen Teil der Frontlinie hielt, umfasste lediglich zwölf Divisionen, während Byng über 14 verfügte. Ihnen standen, von links nach rechts, die 17. (Below), die 2. (Marwitz) sowie die 18. Armee (Hutier) gegenüber (zusammen 63 Divisionen).

    Die Offensive, die bei dichtem Nebel am 21.3. begann, wurde durch starken Artilleriebeschuss aus 6000 Geschützen und einen Giftgasangriff (Gaskrieg) eingeleitet. Die Deutschen rückten auf der Länge der gesamten Front vor, am schnellsten im Süden. Als Reaktion auf die Ereignisse des ersten Tages zog sich Gough bis hinter den Crozat-Kanal zurück. Um die Verbindung nicht zu verlieren, war die rechte Flanke von Byngs Armee ebenfalls zum Rückzug gezwungen. Bald musste Gough einen generellen Rückzug hinter die Somme anordnen, da Hutier weiterhin starken Druck ausübte. Weiter nördlich trieb die zweite Armee am 25.3. einen Keil zwischen die beiden britischen Armeen und für einige Zeit sah es so aus, als wäre die gesamte Front dem Zusammenbruch nahe. Um diese offensichtlich günstige Situation auszunützen, erweiterte Ludendorff seine Ziele, orderte die 2. Armee in Richtung Amiens und befahl Hutier, sich nach Paris in Marsch zu setzen. Wie ursprünglich geplant, sollte Below die Briten in Richtung Kanalküste treiben.

    Die Alliierten reagierten auf die Krise durch die Ernennung von Foch, der die Bewegungen der alliierten Truppen an der Westfront koordinieren sollte. Die französische Verstärkung, die bislang nur langsam an der Front eingetroffen war, nahm nun zu und General Fayolle übernahm das Kommando der gemischten Verbände südlich der Somme. Am 26.3. brachte die 3. Armee, mit starker Unterstützung aus der Luft, den Vormarsch des Gegners nördlich der Somme zum Halten. Zwei Tage später starteten die Deutschen die "Operation Mars", die trotz der Entsendung umfangreicher Truppenkontingente nicht in der Lage war, Arras einzunehmen. Die Offensive im Norden war nun gestoppt.

    Nichtsdestotrotz machten die Deutschen weiter südlich weitere wichtige Fortschritte. Montidier, 65 km vom Ausgangspunkt der Offensive entfernt, fiel am 27.3., wodurch der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Amiens in Gefahr geriet. Die Deutschen wurden jedoch 16 km entfernt, bei Villers-Bretonneux, durch starken alliierten Widerstand aufgehalten. Ludendorffs Truppen waren nun erschöpft und am 5.4. beendete er die gesamte Operation.


    Ludendorffs erste und mächtigste Offensive des Jahres 1918 führte zum größten Geländegewinn seit den ersten Kriegsmonaten, brachte jedoch keine entscheidenden Ergebnisse. Er beging den Fehler, seine Bemühungen auf den stärksten Sektor, der von der britischen 3. Armee gehalten wurde, zu konzentrieren - bis es zu spät war. Die Operation wurde außerdem durch schwerwiegende Transportprobleme und durch die niedrige Kampfmoral der unterernährten Truppen beeinträchtigt. Die Verluste auf beiden Seiten waren enorm: Die alliierten Verluste von 240 000 Mann waren kaum geringer als die von den Deutschen erlittenen. Angesichts der Unmöglichkeit eines weiteren Vorrückens wandte sich Ludendorff nach Flandern, wo er am 9.4. die Lys-Offensive begann.


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