Theobald von Bethmann Hollweg

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    deutscher Politiker; * 29. November 1856 in Hohenfinow , † 2. Januar 1921 in Hohenfinow

    Theobald von Bethmann-Hollweg
    Theobald von Bethmann-Hollweg

    Integer, auf sozialen Ausgleich im Innern und Frieden nach Außen bedacht, aber glücklos: So lässt sich in Kürze die Politik des von 1909 bis 1917 amtierenden deutschen Reichskanzlers Bethmann Hollweg beschreiben. Entsprechend seiner Herkunft aus dem preußischen Verwaltungsdienst setzte er andere Prioritäten als sein Vorgänger Bernhard von Bülow: "Ich kenne keine größere Aufgabe der gegenwärtigen Zeit, als die Arbeiterbewegung unserer Tage einzuordnen in die gesellschaftliche Ordnung". In der Tat herrschte ein arges Missverhältnis zwischen dem verachteten, pariaähnlichen Außenseitertum der Sozialdemokratie ("vaterlandslose Gesellen") und ihrer steigenden Repräsentanz in der Volksvertretung. Ab 1912 war sie stärkste Partei. Doch Bethmann scheiterte mit seinen Integrationsbemühungen am Widerstand seiner adligen Standesgenossen. Bis in den Krieg blieb die SPD von der Mitverantwortung ausgeschlossen. Auch dem schwierigen außenpolitischen Erbe Bülows zeigte sich Bethmann nicht gewachsen. Immerhin erkannte der Nichtfachmann zunächst einmal klar, dass dem Verhältnis zu England bei der gegebenen Sachlage eine Schlüsselrolle zukam. Doch konnte sich der Reichskanzler gegenüber Tirpitz' eigenmächtiger Flottenpolitik, die den Segen des Kaisers hatte, nicht durchsetzen. So kam beim Besuch des britischen Kriegsministers Haldane (1912) das gewünschte Abkommen über eine beiderseitige Begrenzung der Seerüstung nicht zustande. Auch beim Zarenbesuch 1910 waren Vertragsabschlüsse, entgegen deutschen Hoffnungen, ausgeblieben. So stand die Tripel-Entente beunruhigend fest. Als sich dann im Juli/August 1914 die Spannungen zur Krise und schließlich zum Kriege entwickelten, erntete Bethmann, was seine Entschlusslosigkeit gesät hatte. Und wenn man von seiner Mitschuld am Krieg spricht, dann gilt auch für ihn der Satz des englischen Kriegsgegners Lloyd George: "Keiner der führenden Männer jener Zeit hat den Krieg tatsächlich gewollt. Sie schlitterten gewissermaßen hinein, oder besser, sie taumelten hinein, vielleicht aus Torheit." Mit Kriegsbeginn dankte die Politik ab. Ein Kanzler, der der Meinung war, der Krieg gehöre den Militärs, nicht den Staatsmännern, brauchte nicht lange zu warten, bis ihm das Geschäft aus der Hand genommen wurde.


    Bildergalerie: Ostfront

    > Weitere Galerien

    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

    > Weitere Briefe