Theophile Declassé

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    französischer Politiker; * 1. März 1852 Pampier , † 22. Februar 1923 Nizza


    Erfüllt von einem starken Misstrauen gegen Deutschland, gelang es Declassé in systematischer Arbeit, Frankreich aus der diplomatischen Isolierung herauszuführen und zum Kern eines gegen die Mittelmächte gerichteten diplomatischen Systems zu machen. Er vertiefte das französisch-russische Bündnis, näherte Frankreich durch Handels- und Kolonialverträge an Italien an und bereitete nach der Liquidation der Faschoda-Affäre, wo er in staatsmännischer Weitsicht ein zweitrangiges Interesse einem größeren Ziel opferte, die Entente mit England vor. Sie kam durch die Übereinkunft von 1904 zustande, in der Ägypten dem englischen, Marokko dem französischen Einfluss zugesprochen wurde.

    Der Beitritt Spaniens zu dieser Übereinkunft im gleichen Jahr ergänzte die Entente. Diese Politik stieß auf den Wiederstand des deutschen Reichs, das die Vorherrschaft Frankreichs in Marokko nicht akzeptieren wollte und die Einberufung einer internationalen Konferenz nach Algeciras verlangte. Declassé, der englischen Unterstützung sicher und die Haltung Deutschland als "Bluff" interpretierend, blieb unnachgiebig. Aber sein Ministerpräsident Rouvier fürchtete einen kriegerischen Konflikt, und zwar um so mehr, als eine Unterstützung durch Russland ausgeschlossen war. Er glaubte, sich mit Deutschland arrangieren zu können, und ließ Declassé fallen. Nach längerer Zurückgezogenheit kehrte dieser 1911/12 als Marineminister in die Regierung zurück und ging dann für ein knappes Jahr als Botschafter nach Petersburg (Februar 1913-Januar 1914).

    Am 26.8.1914 erneut zum Außenminister berufen, gelang es ihm, Italien auf die Seite der Entente zu bringen. Aber er scheiterte im Fall Bulgariens, so dass sich Schwierigkeiten für die Balkanfront ergaben. Am 13. Oktober 1915 demissionierte er und zog sich ins Privatleben zurück.


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