U-Boot-Krieg

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 verfügten die Seestreitkräfte aller Großmächte über U-Boote (Großbritannien 76, Frankreich 38, Deutschland 28, Russland 20, Österreich-Ungarn sechs). Über ihre Einsatzmöglichkeiten bestand jedoch noch wenig Klarheit. In der Führung der deutschen Marine herrschte die Absicht vor, die neue Waffe vor allem gegen größere Kriegsschiffe des Gegners einzusetzen, um ein günstiges Kräfteverhältnis in einer für seekriegsentscheidend gehaltenen Generalschlacht der Linienschiffsflotten zu erreichen. Der Erfolg des deutschen U 9, dem es am 22.9.1914 gelang, drei britische Panzerkreuzer zu versenken, schien diese Auffassung zunächst zu bekräftigen. Er zeigte die Leistungsfähigkeit der U-Boote unter Kriegsbedingungen. Das galt vor allem für die modernen, mit Dieselmotoren zur Überwasserfahrt ausgerüsteten Boote, von denen Deutschland bei Kriegsbeginn zehn besaß. Es erwies sich jedoch bald, dass gegen schnelle, hochmanövrierfähige Kampfschiffe, die zudem zunehmend von Begleitfahrzeugen gedeckt wurden, auf die Dauer kaum größere Ergebnisse durch U-Boote zu erzielen waren.

    Erfolgversprechender schien dagegen ihr Einsatz gegen die Handelsschifffahrt von und nach den Britischen Inseln, um die Versorgung Großbritanniens trotz der Seeherrschaft seiner Flotte ernsthaft zu stören. Dahingehende Forderungen wurden von Vertretern der militärischen Führung Deutschlands nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans immer nachdrücklicher erhoben. Trotz der noch relativ geringen Zahl von U-Booten erhoffte man sich von der abschreckenden Wirkung der ohne Warnung versenkten Schiffe eine Lähmung der gegnerischen Handelsschifffahrt. Die deutschen U-Boot-Kommandanten führten bereits ab dem Herbst 1914 - am 20.10.1914 versenkte erstmalig U 17 ein britisches Handelsschiff - den Krieg auf den Seeverbindungen der Entente. Dabei wurde die so genannte Prisenordnung, die das vorherige Untersuchen der Schiffe nach verbotener, d. h. der unmittelbaren Kriegführung dienender Ladung vorsah, noch beachtet. Der offizielle Beginn des U-Boot-Kriegs verzögerte sich jedoch. Der Hauptgrund hierfür waren Bedenken über die möglichen Auswirkungen dieser bisher nicht da gewesenen Form des Seekriegs auf die Haltung der neutralen Staaten, insbesondere der USA. Der ab 18.2.1915 offiziell eröffnete U-Boot-Handelskrieg unterlag daher gewissen Einschränkungen, vor allem in Bezug auf neutrale Schiffe. Dies wie auch der am 29.2.1916 verschärfte U-Boot-Krieg waren Versuche, die neue Form der Seekriegführung den außenpolitischen Erfordernissen Deutschlands anzupassen.

    Opfer eines deutschen U-Boots, der französische Frachter "Herault"

    Die Rücksichtnahme schwand in dem Maß, wie die deutsche Führung glaubte, im U-Boot-Krieg ein Mittel zur Niederringung Großbritanniens und damit zur Herbeiführung einer Wende im Kriegsverlauf zugunsten der Mittelmächte gefunden zu haben. Am 1.2.1917 eröffnete Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Von diesem Zeitpunkt an hatten die deutschen U-Boote den Befehl, alle innerhalb bestimmter Sperrgebiete (Blockade) angetroffenen Handelsschiffe warnungslos anzugreifen und zu versenken. Außerhalb dieser Gebiete angetroffene Handelsschiffe waren nach der Prisenordnung aufzubringen, bei Bewaffnung jedoch wie Kriegsschiffe zu behandeln. Die Sperrgebiete erstreckten sich zunächst auf die Gewässer um Großbritannien, Frankreich und Italien sowie auf das östliche Mittelmeer und wurden in den folgenden Monaten auf einen Teil des Europäischen Nordmeers und das Seegebiet der Azoren ausgedehnt. Darüber hinaus operierten deutsche U-Boote an der Ostküste der USA und vor der Westküste Afrikas. Zum Zeitpunkt der Eröffnung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs standen 106 Boote zur Verfügung, von denen sich jeweils annähernd ein Drittel im Einsatzgebiet, auf dem Hin- oder Rückmarsch bzw. im Hafen oder auf der Werft befand. Dieser Einsatz der U-Boote führte zunächst zu einer beträchtlichen Steigerung der Versenkungsziffern. Im April 1917 versenkten deutsche U-Boote 458 Handelsschiffe mit 841 118 BRT, im gesamten Jahr 1917 Schiffsraum in Höhe von fast sechs Millionen BRT. Diese hohen Verluste verursachten vorübergehend erste Störungen, vor allem in der Rohstoffversorgung der Ententemächte. Das Ziel des U-Boot-Kriegs, die Niederwerfung Großbritanniens und die Wende im Kriegsverlauf, konnte jedoch nicht erreicht werden. Vielmehr gab die Eröffnung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs den endgültigen Anlass für den Kriegseintritt der USA auf Seiten der Entente, wodurch sich das Kräfteverhältnis weiter entschieden zu deren Gunsten veränderte. Die seit Sommer/Herbst 1917 wirksamer werdenden Maßnahmen zur U-Boot-Abwehr, insbesondere die Einführung des Geleitzugsystems sowie der Einsatz von Wasserbomben und Unterwasserhorchgeräten, die beschleunigte Bewaffnung der Handelsschiffe und der verstärkte Bau von Geleitfahrzeugen führten zu einem beträchtlichen Rückgang der Versenkungsziffern. Ab Frühjahr 1918 überstiegen die amerikanischen und britischen Schiffsneubauten die Tonnageeinbußen der Entente. Der von Deutschland geführte U-Boot-Krieg brachte größere Verluste.

    Insgesamt versenkten die deutschen U-Boote 1914-18 6394 gegnerische und neutrale Handelsschiffe mit fast zwölf Millionen BRT sowie etwa 100 Kriegsschiffe. 228 der 374 eingesetzten U-Boote gingen verloren.


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