Versailler Vertrag

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    am 28. 6. 19 unterzeichneter Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Reich und seinen Gegnern im Ersten Weltkrieg. Wie die anderen Pariser Vorortverträge wurde der Versailler Vertrag auf der am 18. 1. 19 eröffneten Pariser Friedenskonferenz - Teilnehmer 27 alliierte und mit diesen assoziierte Staaten - ausgehandelt; das entscheidende Gremium war dabei der "Oberste Rat" aus den Regierungschefs der USA (Wilson), von Frankreich (Clemenceau), Großbritannien (Lloyd George) und Italien (Orlando). Deutschland durfte an den Verhandlungen nicht teilnehmen. Der von Außenminister Graf Brockdorff-Rantzau geleiteten deutschen Delegation überreichten die Alliierten am 7. 5. den fertigen Entwurf des Versailler Vertrags; den deutschen Gegenvorschlägen vom 29. 5. stimmten sie am 16. 6. nur in wenigen nebensächlichen Punkten zu. Unter der ultimativen Drohung der Alliierten, den Krieg wieder zu eröffnen, ermächtigte die Nationalversammlung mit 237 gegen 138 Stimmen die Reichsregierung zur Unterzeichnung des Versailler Vertrags, die am 28. 6. im Schloss von Versailles - für Deutschland von Außenminister H. Müller und Verkehrsminister J. Bell - vollzogen wurde. Am 10. 1. 20 trat der Versailler Vertrag in Kraft.

    Er enthält in 15 Teilen mit insgesamt 440 Artikeln:

    • Die Satzung des Völkerbunds.
    • Territoriale Regelungen: Das Deutsche Reich musste abtreten: ohne Volksabstimmung Elsass-Lothringen an Frankreich, Posen und Westpreußen an Polen, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, das Memelland an die Alliierten (1923 an Litauen übergeben), Danzig (das zur Freien Stadt erklärt wurde) und alle Kolonien (als Mandatsgebiete der Aufsicht des Völkerbunds unterstellt); aufgrund von Volksabstimmungen das östliche Oberschlesien an Polen, Eupen-Malmedy an Belgien und Nordschleswig an Dänemark (Abstimmungsgebiete). Das Saarland wurde bis zu einer Volksabstimmung (nach 15 Jahren) der Verwaltung des Völkerbunds unterstellt; Elbe, Oder, Memel, Donau, Rhein und Mosel wurden internationalisiert; Österreich wurde der Anschluss an das Deutsche Reich verboten. Deutsche Gesamtverluste: 73 845 km2 mit rund 7,3 Millionen Einwohnern.
    • Militärische Bestimmungen: Besetzung des linken Rheinufers mit den rechtsrheinischen Brückenköpfen Kehl, Köln, Koblenz und Mainz durch alliierte Truppen, die etappenweise (in fünf, zehn und 15 Jahren) wieder aufgehoben werden sollte; Bildung einer entmilitarisierten Zone auf dem linken und in einem 50 km breiten Streifen auf dem rechten Rheinufer; Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und Beschränkung des deutschen Heers auf maximal 100 000, der deutschen Marine auf 15 000 (Berufs-)Soldaten; Auflösung der deutschen Luft- und Luftseestreitkräfte; Verbot der Herstellung und Verwendung "schwerer" Waffen (z. B. Flugzeuge und Panzer); Auslieferung des deutschen Kriegsmaterials und Kontrolle der deutschen Rüstung und Rüstungsproduktion durch die Alliierten; Auflösung des deutschen Generalstabs und militärischer Schulen.
    • Wirtschaftliche Bestimmungen: Verpflichtung Deutschlands zur Leistung von Reparationen sowie zur Lieferung von Sachgütern (u. a. von Kohle, Maschinen, Fabrikeinrichtungen, Untersee-Kabel) und von Tieren (z. B. 140 000 Milchkühe) an die Alliierten; Auslieferung fast der gesamten Handelsflotte; Konfiskation des deutschen Auslandsvermögens (auch des privaten). Die Erhebung von Reparationen wurde begründet mit der alleinigen Schuld des Deutschen Reichs und seiner Verbündeten am Krieg, die in Artikel 231 festgestellt und von Deutschland anerkannt werden musste (Kriegsschuldfrage).
    • Anklage des (ehemaligen) deutschen Kaisers Wilhelm II. und anderer Personen, die gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen hätten, vor einem (zu bildenden) Gerichtshof und deren Auslieferung.Der in Deutschland fast einhellig als "Diktatfrieden" oder "Schanddiktat von Versailles" abgelehnte Versailler Vertrag stellte eine starke und dauerhafte Belastung für die Weimarer Republik dar und bot den antidemokratischen Kräften, v. a. auch der NSDAP, einen Ansatzpunkt zum Kampf gegen die Republik (Dolchstoßlegende, Kriegsschuldlüge). Auch unter den Alliierten fand der Versailler Vertrag nicht nur Zustimmung; so ratifizierten z. B. die USA nicht und schlossen 1921 einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich.


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