Verteidigung des Suezkanal

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (1914-1916)

    Während der ersten Kriegsmonate wurden hastig Vorkehrungen zur Verteidigung Ägyptens, das britisches Protektorat war, gegen einen türkischen Angriff getroffen. Britische Truppen waren auf der Sinai-Halbinsel hinter dem Suezkanal stationiert worden, der "Hauptschlagader des britischen Imperiums", die den besten Ausgangspunkt zur erfolgreichen Verteidigung Ägyptens darstellte. Der britische Kommandeur General Sir John Maxwell hatte rund 30 000 Männer - vor allem aus Indien - zur Verfügung, um der türkischen Gefahr, die sich Anfang des Jahres 1915 materialisierte, zu begegnen.

    Auf Betreiben Baron Kress von Kressensteins, eines fähigen deutschen Stabsoffiziers in der türkischen Armee, bewegte sich eine Streitkraft von 20 000 Mann unter dem Befehl Djemal Paschas heimlich durch die Wüste Sinai. Nach dem Ende dieser schwierigen und gefährlichen Reise begann der türkische Angriff am 3.2.1915: Drei Booten gelang tatsächlich die Überquerung des Kanals, aber ihre gesamte Besatzung wurde getötet oder gefangen genommen. Die Hauptstreitkraft geriet in einiger Entfernung zum Kanal unter schweren Beschuss aus den Schiffskanonen; als die Verluste zunahmen, ordnete Djemal den Rückzug in die rückwärtige Basis bei Beersheba an. Er hatte 2000 Mann verloren, während auf britischer Seite nur 150 Soldaten gefallen waren. Das Festhalten an einer Defensivstrategie sowie das Fehlen ausreichender Transportmöglichkeiten durch die Wüste verhinderten eine Verfolgung des türkischen Feinds durch die Sinai-Wüste. Übertriebene Furcht vor einer weiteren türkischen Großoffensive führte zu einer Aufstockung der in Ägypten stationierten Einheiten und dem Aufbau eines ausgeklügelten Verteidigungssystems im Osten des Suezkanals von 1915 bis 1916. Unter dem Befehl von Maxwells Nachfolger, General Sir Archibald Murray, drangen die britischen Truppen Anfang 1916 in den Sinai vor. Das Ziel war die Sicherung einer Linie zwischen der Küstenstadt El Arisch und dem über 150 km entfernten Kossaima, als geeignetster Position zur Verteidigung des Kanals.


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