Zweite Flandernschlacht

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (22.4.-25.5.1915)

    Die Vorbereitungen der Alliierten zu einer weiteren kombinierten Offensive im Frühjahr 1915 wurden am 22.4. durch einen deutschen Überraschungsangriff auf den Frontvorsprung bei Ypern unterbrochen. Nach einem kurzer Beschuss durch 17-Inch-Haubitzen tauchten grün-gelbe Wolken giftigen Chlorgases (an der Westfront zum ersten Mal im Einsatz; Gaskrieg) auf, welche auf die linke Seite des Frontkeils zogen. Die französisch-algerischen und überseeischen Truppen, die dieses Gebiet hielten, flohen in Angst und Schrecken Richtung Ypern und des nördlich verlaufenden Kanals. Die deutsche 4. Armee rückte über drei km vor, stoppte den Vormarsch aber am nächsten Morgen: Es gab keine Pläne für ein weiteres Vorrücken und die Truppen hätten riskiert, in ihr eigenes Giftgas zu laufen.

    Die britische 2. Armee (Smith-Dorrien), die nach links vorrückte, um die 6,5 km breite Lücke, die von den Franzosen hinterlassen worden war, zu schließen, startete einige kleinere Gegenangriffe, welche die Deutschen am weiteren raschen Vordringen hinderten. Am 24.4. wurde jedoch ein weiterer Gasangriff am Scheitel des Frontkeils durchgeführt, der die Kanadier, die diese Position hielten, zwang, zurückzuweichen.

    Die Größe des Frontvorsprungs, der von drei Seiten ständig attackiert wurde, wurde deutlich dezimiert: Die Anhöhe war verloren und der Keil war nicht mehr breiter als fünf km, dafür aber noch acht km tief. Fochs Zusicherung eines Gegenangriffs wurde nicht erfüllt, obwohl zwei französische Divisionen als Verstärkung eintrafen. Unter diesen wenig erfolgversprechenden Umständen schlug Smith-Dorrien zur Absicherung Yperns eine Rückverlegung von vier km vor. Seiner Ansicht nach war es nur mit Hilfe einer gut geplanten Offensive und umfangreicher Verstärkung möglich, den Gegner zurückzudrängen. Sir John Francis reagierte empört auf diesen Vorschlag und enthob Smith-Dorrien seines Postens. Als dann aber dessen Nachfolger, Sir Herbert Plumer, dieselbe Vorgehensweise vertrat, wurde dem Plan zugestimmt. Nach diversen Verzögerungen wurde die Rückverlegung zwischen dem 1. und 3.5. abgeschlossen.

    Die Deutschen, die immer noch den Frontvorsprung von Ypern beseitigen wollten, setzen ihren Angriff am 8.5. fort. Die heftigen Kämpfe, die als Schlacht um den Frezenberg bekannt wurden, dauerten sechs Tage. Nachdem sie wertvolles Gelände auf dem Kamm verloren hatten, wurden die Briten weitere 1,2 km ins Zentrum des Frontkeils zurückgedrängt, konnten aber ansonsten ihre Stellungen halten. Weitere Verluste folgten, als der Angriff am 24./25.5. erneut aufgenommen wurde, beginnend mit heftigem Gaseinsatz.

    Dies brachte die lang andauernde Schlacht zu einem Ende. Die Deutschen konnten durch die Dezimierung des Frontvorsprungs bei Ypern auf eine flache Kurve östlich der Stadt den größten Erfolg des Jahres verbuchen, auch wenn sie durch Truppen- und Munitionsmangel von einem durchaus möglichen größeren Durchbruch abgehalten wurden. Die Verluste in der fünf Wochen dauernden Schlacht von Ypern waren relativ hoch; die im Vergleich zu den deutschen (35 000) höheren britischen Zahlen (59 000) lassen sich durch den Einsatz von Giftgas erklären. Die Franzosen verloren 10 000 Mann.


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