Zweite Schlacht an der Marne

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    (15.7.-5.8.1918)

    Ludendorffs letzte umfassende Offensive des Kriegs begann als ein weiteres Ablenkungsmanöver, das die alliierten Reserven von Flandern abziehen sollte, wo ein erneuter deutscher Angriff kurz bevorstand. Das direkte Ziel der Aktion war die Überquerung des Flusses Marne im Osten von Paris. Dreieinhalb deutsche Armeen sollten gleichzeitig von beiden Seiten von Reims aus angreifen: Zwei davon - die 1. (Mudra) und die 3. (Einem) - lagen im Osten in Stellung. Ihr Angriff auf die 1. französische Armee (Gouraud) am 15.7. machte nur geringe Fortschritte und wurde am ersten Tag gegen 11.00 Uhr gestoppt. Schweres Artilleriefeuer entlang Gourauds 42 km langem Frontabschnitt hatte die Franzosen dabei unterstützt, die Frontlinie zu halten. Der Angriff wurde hier nicht wiederholt.

    An der anderen Front, südwestlich der Stadt, war die 7. deutsche Armee (Boehn), unterstützt von einer neu aufgestellten 9. Armee (Eben), anfangs erfolgreicher. Der Angriff erfolgte auf einem 35 km breiten Frontabschnitt; die Deutschen durchstießen die 6. französische Armee (Degoutte) und überquerten die Marne bei Dormans, zwischen Rueil und Château-Thierry. Boehn errichtete mit sechs Divisionen einen Brückenkopf, der 14 km lang und 6,5 km breit war, bevor er von der 9. französischen Armee (De Mitry), unterstützt von britischen, amerikanischen und italienischen Einheiten, am 17.7. gestoppt wurde. 36 alliierte Divisionen hatten damit eine Offensive von 52 deutschen Divisionen zum Stillstand gebracht.

    Am 18.7. setzten die Alliierten eine bedeutende Gegenoffensive in Gang, die gegen den Marne-Frontkeil gerichtet war und die Frontlinie schließlich erfolgreich begradigen konnte. Der Hauptangriff wurde von der 10. französischen Armee (Mangin) im Osten und von der 6. Armee (Degoutte) im Süden geführt. Unterstützt von 14 alliierten Divisionen und 350 Panzern rückten sie am ersten Tag bis zu acht km weit vor. Weitere Angriffe durch die 5. (Berthelot) und 9. französische Armee erfolgten vom Westen aus.

    Der anhaltende alliierte Vormarsch in das Gebiet der Frontausbuchtung bedrohte bald die Kommunikation der Deutschen zwischen Château-Thierry und Soissons und sie begannen sich von der Marne zurückzuziehen. Soissons wurde am 2.8. befreit und bis zum nächsten Tag waren die Deutschen bis zu einer Frontlinie entlang der Vesle und der Aisne auf Höhe der Grundlinie des ehemaligen Frontvorsprungs zurückgefallen. Die alliierte Gegenoffensive wurde am 6.8. zum Stillstand gebracht, als kein weiterer Bodengewinn gegenüber den Deutschen gemacht werden konnte, die sich zu diesem Zeitpunkt fest in Schützengräben verschanzt hatten.

    Was als deutsche Offensive begonnen hatte, hatte sich in einen alliierten Sieg verwandelt; dies markierte den Anfang des deutschen Rückzugs, der schließlich mit dem Waffenstillstand endete. Von weitaus größerer Bedeutung war, dass die geplante deutsche Offensive in Flandern zuerst verschoben und später vollkommen aufgegeben werden musste. Die französischen Verluste beliefen sich auf 95 165 Mann, während die deutschen Opfer etwa 168 000 Mann, einschließlich fast 30 000 Gefangener, ausmachten.


    Bildergalerie: Ostfront

    > Weitere Galerien

    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

    > Weitere Briefe