Stellungskrieg

    Aus Lexikon Erster Weltkrieg

    auch: Grabenkrieg;

    An beiden Fronten - im Westen wie im Osten - erstarrten die Offensiven immer wieder zu verlustreichen Stellungskriegen, da die Angreifer aufgrund der notwendigen Mobilität ihrer Geschütze über deutlich weniger effektive Waffen verfügten als die verteidigenden Armeen. Die Angriffe konnten also nicht zurückgeschlagen, sondern nur zum Stillstand gebracht werden. Dieser wurde immer wieder durch ein - in den wenigsten Fällen effektives, stets aber verlustreiches - Vorstürmen unterbrochen. Während der Phasen des zermürbenden Dauerbeschusses durch Schwere Artillerie (siehe Materialschlacht) gruben sich die Soldaten in Schützengräben bzw. in den vorhandenen Granat- und Bombentrichtern ein. Die Gräben wurden durch Stacheldraht gesichert, es existierten eine Hauptkampflinie sowie Lauf- und Verbindungsgräben zu den Feldlazaretten, Munitionslagern und Stäben, die im rückwärtigen Bereich des Schlachtfelds positioniert waren. Bunker wurden in die Erde eingegraben und Unterstände errichtet. Hier blieben die Soldaten auch zwischen den Gefechten: Sie schliefen, aßen und vertrieben sich beispielsweise mit Kartenspielen die Zeit - und erkrankten aufgrund des allgegenwärtigen Schmutzes und der hohen Feuchtigkeit massenweise an epidemieartigen Krankheiten.

    Durch den zunehmenden Einsatz von Flugzeugen und Giftgasen (siehe Gaskrieg, Gasmaske) und die inzwischen auch auf Distanzbeschuss ausgerichtete Schwere Artillerie stellte der Schützengraben nur einen geringen tatsächlichen Schutz dar. Zudem befanden sich die gegnerischen Soldaten - außer während der extrem blutigen Vorstöße gegen das feindliche Artilleriefeuer -praktisch immer außer Sichtweite der Soldaten. Der Krieg wurde rein "maschinell" geführt. Diese Faktoren führten zum häufigen Ausbruch von Meutereien unter den Soldaten, die den Sinn ihres Kampfs nicht mehr sahen und unter den Lebensumständen in den Schützengräben und der ständigen Bedrohung litten.

    Wirkliche Erfolge konnten im Stellungskrieg nur erzielt werden, wenn durch Nachschubschwierigkeiten die Defensive geschwächt wurde und die Infanterieattacken somit zu einem Durchbruch der feindlichen Linien führen konnten.


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    Briefe gefallener Studenten

    November 1914.

    ... Seit acht Tagen im Schützengraben, einer Ruine, in der bei Regenwetter das Wasser rauscht und alles von Lehm und Dreck starrt und die auch Schutz gegen das furchtbare Granatfeuer gewähren soll. Kleine Menschenarbeit gegen gewaltige Kräfte ... (Fritz Meese)

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